"Halloween oder Allerheiligen ? - Reden wir von Heiligen oder Geistern?"

Von Edmund Speiseder

Was wäre das liturgische Jahr ohne einen Gedächtnistag für alle Heiligen und alle Seligen Gottes? Dieses Fest wurde im Jahre 837 von Papst Gregor IV. (827-844) auf den 1. November festgelegt. Denn ursprünglich wurde dieses Fest zu "Ehren aller heiligen Märtyrer am 13. Mai gefeiert, denn an diesem Tag weihte Papst Bonifaz IV. im Jahre 610 den heidnischen Pantheon-Tempel in Rom zu einer christlichen Kirche mit dem Namen "Sancta Maria ad Martyres!" In Syrien hat dieses Fest seinen Ursprung, denn dort feierte man es bereits im 4. Jahrhundert und auch den Griechen war es wichtig, das Gedächtnis aller Heiligen zu begehen.
Die Verlegung vom Mai-Termin auf den 1. November hatte einen ganz praktischen Grund. Denn für die große Anzahl von Pilgern, die im Frühjahr in die Stadt Rom kamen, konnten nicht genügend Lebensmittel bereit gehalten werden. Dies ist nach der Erntezeit und der Weinlese - also im Herbst - wesentlich unproblematischer.
Heute ist das Fest Allerheiligen das letzte im Kirchenjahr. Niemand wäre imstande, die Feste aller Heiligen und Seligen, die der Kirche bekannt sind, zu feiern, weil ihrer zu viele sind. Denn wie bereits der Hl. Hieronymus schreibt, gibt es keinen Tag im Kirchenjahr, an dem man nicht mehrerer tausend Märtyrer gedenken müsste.

Pantheon - Sancta Maria Rotunda
Bereits das Pantheon in Rom, das von Marcus Agrippa, einem Günstling des Kaisers Augustus, im Jahre 27 v.Chr. in seinen Thermen in Rom erbaut und durch Kaiser Hadrian wiederhergestellt wurde, wurde "Pantheon" genannt, weil es für 3000 Götter errichtet wurde, die darin gleichzeitig verehrt werden sollten. Der Bau wurde nach Einführung des Christentums nicht zerstört, denn Kaiser Honorius hatte befohlen, dass man ihn als Denkmal der alten Herrlichkeit des Römischen Reiches bestehen lassen sollte. Papst Bonifaz IV. kam nun auf die Idee, diesen heidnischen Tempel zu reinigen und am Vortag der Weihe wurden aus den Katakomben auf 18 festlich geschmückten Wagen Reliquien heiliger Märtyrer in das Pantheon gebracht, der Papst weihte diese Kirche und nannte sie fortan "Sancta Maria ad Martyres".

Heilige - wie sehen wir sie heute?
Die Heiligen sind unserem Verständnis nach Glaubenszeugen, die vorbildhaft die Botschaft Jesu Christi erfüllt und gelebt haben und darin mögen sie uns ein Vorbild sein. Ihrer zu gedenken heißt, sie zum Vorbild zu nehmen, das Gebot "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" im Leben spürbar werden zu lassen. In der Allerheiligenlitanei werden sie alle aufgerufen und angerufen: zu oberst Maria als Vorbild im Glauben, die Engel, die Patriarchen und Propheten, die Mönche und Einsiedler, die Jungfrauen und Witwen. Und so stehen in der Verkündigung des 1. Novembers die "Seligpreisungen" der Bergpredigt, das Einfordern der guten Werke, im Mittelpunkt der Liturgie. Die Seligpreisungen, die jene preisen, die barmherzig sind und nach der Gerechtigkeit trachten, die friedfertig sind und sich für die Verwirklichung des Reiches Gottes einbringen.
Am Tag nach dem Fest Allerheiligen begeht die Kirche das Gedächtnis aller Verstorbenen. Der Hl. Odilo von Cluny führte als zuerst diesen Brauch des Allerseelentages ein. Papst Benedikt XV. erklärte ihn 1915 für die ganze Kirche als verbindlich.

Allerheiligen oder Halloween
Die Kelten, für die das neue Jahr am 1. November begann, glaubten, dass zu Samhain (=Sommerende) - am 31. Oktober - die Geister der Toten auf die Erde zurückkehren, um Unruhe zu stiften. Nachdem die Römer die keltischen Gebiete erobert hatten, verschmilzt die Samhain-Tradition mit dem römischen Totenfest Feralien. Papst Gregor IV. legt Allerheiligen auf den 1. November fest, um der Heiligen zu gedenken. "All Hallows' Eve" (=der Abend für alle Heiligen) wird zu "Halloween", der Nacht vor Allerheiligen im englischsprachigen Raum. In der neuen Welt (Neuengland, USA) verbieten die Puritaner im 16. bis 18. Jahrhundert neben Weihnachten und Ostern auch Halloween. Infolge der großen Hungersnot von 1845-1852 emigriert über die Hälfte der irischen Bevölkerung nach Amerika. Mit den Einwanderern gelangt Halloween endgültig in die Neue Welt. Aus dem Jahre 1908 ist bekannt, dass Halloweenkarten gedruckt und verschickt werden. Heute sind es ca. 35 Millionen, die pro Jahr um diese Zeit verschickt werden. Interessant ist vielleicht auch, dass im Jahre 1926 der Entfesselungskünstler Harry Houdin seiner Frau auf dem Sterbebett verspricht, mit ihr an Halloween in Kontakt zu treten. Sie hörte jedoch nichts von ihm. UNICEF startete überdies im Jahre 1950 unter dem Motto "Trick-or-Treat" den Brauch Geld zu sammeln. Bisher kamen bei UNICEF rund 150 Millionen Dollar zusammen. 1997 finden in Frankreich die ersten Halloweenpartys statt. 2006 erklären französische Zeitungen den Trend für "morte" (tot); das forderte wohl erst recht die Anhänger heraus.

"Alle heiligen Schreckgespenster!"
Aus einem wohlwollenden Totengedenken entwickelte sich über Nacht ein Brauch der Maskerade der Schreckgespenster. In einer Gesellschaft, in der der Tod, die Vergänglichkeit weitgehend ausgeblendet und in sterile Krankenzimmer verlegt wird, feiert Klamauk und Spott Urstände. Ist es für gläubige Menschen eine "glaubwürdige Gewissheit" und "vertrauens-würdige Selbstverständlichkeit", dass Leben und Tod, Diesseits und Jenseits miteinander korrespondieren, dass dieses Leben verantwortungsvoll zu gestalten ist, weil wir doch eine nachhaltige Verantwortung für all unser Tun haben, so gewinnen in mancherlei Formen dieser "Halloween-Kultur" Oberflächlichkeit und Kommerz die Oberhand. Der Tod ist durch Verkleidung und das Nachspielen von Schreckgespenstern nicht zu thematisieren. Wenn das den Kindern und Jugendlichen in diesen Tagen vermittelt wird, dann ist das ein weiterer Baustein abwärts, Wertvorstellungen und Menschenachtung über Bord zu werfen.




An Allerheiligen gedenken wir der Glaubenszeugen, die wir uns zum Vorbild nehmen sollen. An Allerseelen begeht die Kirche das Gedächtnis aller Verstorbenen
(oben: Friedhof St. Peter in Straubing)



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