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"Zur Verantwortung gehören Wahrheit und Ehrlichkeit",
sagte Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger am Sonntag,
23.10.2011, beim Landestreffen des KKV Bayern in Regenstauf. "Man
drückt sich um eine ehrliche Aussage herum, wenn sie nicht
angenehm ist." Solche Politiker seien zwar beliebter, aber
unverantwortlich. "Uns ist das Maß abhanden gekommen,
ehrlich abzuwägen, was wollen wir und was können wir uns
wirklich leisten." So sei es ein Widerspruch, einerseits zu
verlangen, dass der Beitrag zur Pflegeversicherung so bleiben soll,
wie er ist, aber andererseits mehr Leistungen zu fordern.
Nicht alles, was als "sozial" etikettiert werde, sei
auch sozial, wenn man sich von diesem Totschlagswort nicht davon
behindern lasse, selber nachzudenken: Ein kostenloses letztes Kindergartenjahr
würde vor allem die Reichen subventionieren. Das hochverschuldete
Berlin finanziere das über den Länderfinanzausgleich,
also aus bayerischen Steuergeldern. In Regensburg zahlen 30 Prozent
der Eltern den Kindergarten nicht selbst, 70 Prozent kommen dafür
selber auf. So werden hier die unterstützt, die wirklich bedürftig
sind. Nur ein Prozent der Eltern schicke seine Kinder nicht in den
Kindergarten, und dies meist nicht aus finanziellen, sondern aus
religiösen und anderen Gründen. "Es gehört zu
meine ethischen Maßstäben, dass es mir wurscht ist, angegriffen
zu werden dafür, dass ich selber nachdenke", sagte Schaidinger.
Statt Chancengerechtigkeit zuzuteilen, sei es besser, sich Chancengerechtigkeit
zu erarbeiten. So sei es für die Stadt Regensburg 1981 ein
Segen gewesen, als der Bund die Steuervergünstigungen für
Investitionen in Regensburg strich. Das habe dazu geführt,
dass sich die Stadt aktiv um Firmen bemüht habe und nun gut
dastehe - viel besser als vergleichbare Städte in Bayern in
strukturschwachen Gebieten, die nur zugeschaut hätten, wie
alte Industrien verschwanden. Als 2007 die Firma Toshiba ihr Werk
in Regensburg schloss, habe er sich nicht wie andere Bürgermeister
zu protestierenden Gewerkschaftlern an einem Mahnfeuer vor das Tor
gestellt. Sondern Verständnis für die Werksschließung
gezeigt, aber dafür gesorgt, dass jeder der 400 Beschäftigten
wieder eine Stelle in Regensburg bekam. "Ich habe keine Sekunde
damit verbracht, zu jammern." Den finanziellen Spielraum, der
sich ihm für die Stadt in den nächsten zweieinhalb Jahren
bietet, möchte er nicht dazu nutzen "die Stadt golden
anzumalen", sondern die Stadt seinem Nachfolger mit weniger
Schulden zu überlassen, als er sie 1996 übernommen hat.
Angesprochen auf den EU-Rettungsschirm nannte er die Rettung der
hochverschuldeten südlichen Euro-Staaten "alternativlos",
weil sonst der deutsche Export einbrechen würde und der Wohlstand
in Deutschland stark zurückgehen werde. Es gebe keinen Grund,
allein auf Griechenland zu zeigen: "Wir waren die Ersten, die
gegen den Stabilitätspakt verstoßen haben." Außerdem
sei Deutschland das Land, das am meisten vom Euro profitiert habe.
"Wir müssen nur die Hand drauf haben, dass das Geld nicht
versickert."
Schaidinger ging auch auf das Jahresthema 2012 des KKV zur neuen
Arbeitskultur in der Wissensgesellschaft ein. Er habe Entscheidungs-
und Unterschriftbefugnisse in der Verwaltung nach unten delegiert,
weil der Sachbearbeiter, der über Sachkompetenz verfügt,
auch entscheiden und Verantwortung übernehmen solle, soweit
übergeordnete Interessen nicht berührt seien. Kleinere
Organisationseinheiten hat er mit größeren zusammengelegt,
um dem Leiter dieser Einheit die Möglichkeit zu nehmen, sich
um seinen Lieblingssachbereich zu kümmern, statt zu führen.
Er verpflichtet sie so dazu, sich um die Menschen zu kümmern.
"Weil der liebe Gott uns leider die Freiheit gegeben hat, uns
böse zu verhalten", was in jeder Organisation vorkomme,
verwendeten die Führungskräfte viel Zeit darauf, Mobbing
und destruktiv geführten Machtkämpfen entgegenzuwirken.
Dazu gebe es verpflichtende Fortbildungsveranstaltung. Jeder Mitarbeiter
habe die Möglichkeit, sich an mehrere Stellen zu wenden, die
zu Verschwiegenheit verpflichtet seien. Vor allem Gesundheitsbeauftragte
kümmerten sich auch um das Thema der Umgangskultur in der Verwaltung.
Der KKV Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung ist
einer der vier großen katholischen Sozialverbände. Er
vereinigt Frauen und Männer aus allen Bereichen von Wirtschaft
und Verwaltung, Selbständige, Angestellte, Beamte, Techniker
und freiberuflich Tätige. In Bayern bestehen 13 Ortsgemeinschaften
mit zusammen an die 1.300 Mitgliedern, die im KKV Landesverband
Bayern mit Sitz in Nürnberg organisiert sind. Das Kürzel
KKV leitet sich vom frühren Verbandsnamen Katholisch Kaufmännischer
Verband her.
Sein Landestreffen 2011 veranstaltete der KKV Bayern am Wochenende
auf Schloss Spindlhof in Regenstauf. Dabei wurde auch das Jahressthema
für 2012 beschlossen. Es lautet "Die neue Arbeitskultur".
Mehr Infos dazu findet man auf www.neuearbeitskultur.de.
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