Aus den Mitgliedsverbänden: Auf Verfolgung von Christen aufmerksam machen - Gemeinschaftstag der Ackermanngemeinde-Diözesanverbände Passau und Regensburg

Zu einem Gemeinschaftstag trafen sich am 08.10.2011 die Diözesanverbände der Ackermanngemeinde Regensburg und Passau im Regensburger Diözesanzentrum Obermünster. Unter dem Motto "Sich besinnen und neubeginnen" standen der Rück- und Ausblick auf die Verbandsarbeit wie auch die Lesung von Inge Geyer, die literarisch die Vertreibung und die damit verbundenen Erfahrungen verarbeitet hat. Für die musikalische Umrahmung des Tages sorgte der Chor des Bischöflichen Gymnasiums Pilsen unter der Leitung von Jakub Šedivý.
Mit einem Gottesdienst in der Hauskapelle des Diözesanzentrums begann die Tagung. Der Regensburger Diözesanvorsitzende Leonhard Fuchs erinnerte an den vor elf Jahren verstorbenen Geistlichen Beirat Domkapitular Georg Strupf, der damals am Vorabend des Diözesantages überraschend verstorben war, sowie an den am 7. September 2011 verstorbenen Monsignore Dr. Robert Falkenauer, Generalvikar des Bistums Pilsen und sehr eng mit der Ackermann-Gemeinde verbunden. Darüber hinaus gedachte man bei der Eucharistiefeier der im letzten Jahr verstorbenen Verbandsmitglieder. In seiner Predigt machte Domkapitular Prälat Johannes Neumüller deutlich, dass Kirche und kirchliches Wirken in der Öffentlichkeit auch heute wichtig seien und die Christen im Vertrauen auf Jesus Christus diese Aufgabe erfüllen können. Dazu sei aber nicht nur der Gottesdienst, sondern auch regelmäßiges, persönliches Gebet sowie Zuhören und Mittragen etwa von Lasten anderer nötig. "Auch uns gibt Christus heute Kraft, um in den Wechselfällen des Lebens durchzuhalten. Vertrauen wir auf die Gnade Gottes", ermunterte der Domkapitular die Mitglieder der Ackermann-Gemeinde.
Auf den Besuch von Ministerpräsident Seehofer in Prag im Dezember letzten Jahres ging Fuchs in seiner Begrüßung ein und stellte die Frage: "Sind damit alle Streitfragen gelöst, alle Probleme aus der Welt geschafft?" Er gab gleich die Antwort: "Wir brauchen immer wieder neue Impulse für diese Aufgabe". Diese erwartete er vom Hauptreferenten, dem Bundesvorsitzenden der Ackermann-Gemeinde MdEP Martin Kastler.
Zunächst aber sprachen einige Ehrengäste Grußworte. Der stellvertretende Vorsitzende des Diözesankomitees Michael Meier hob den Aspekt der Völkerverständigung hervor. Grüße des Pilsener Bischofs František Radkovský überbrachte Dompfarrer Monsignore Emil Soukup, der Kanzler der orthodoxen Kirche in den tschechischen Ländern, Erzpriester Joseph Hauser (Marienbad), sprach die Probleme der Christen in Tschechien und der Slowakei an und grüßte die Teilnehmer namens der dortigen orthodoxen Kirchen.
"Es geht um unsere gemeinsame Heimat als Europäer, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Bayern und Böhmen ist heute Realität in einem gemeinsamen Kultur- und Wirtschaftsraum", machte Bundesvorsitzender Kastler klar und gab Beispiele aus der gemeinsamen Geschichte aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Kultur. "Wir dürfen die negativen, dunklen Seiten der Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen", betonte der Europaabgeordnete, legte den Fokus aber auf das Miteinander und - speziell für die Ackermann-Gemeinde - auf die christlichen Aspekte und Gedanken. "Wir sind eine christliche, katholische Gemeinschaft, die sich für andere Christen einsetzen muss", wies Kastler auf heute noch übliche Vertreibungen von Christen hin - auch auf christenfeindliche Fakten in der Türkei. "Solches Unrecht muss immer wieder auf die Tagesordnung gebracht werden, notwendig ist auch eine anständige Migrationspolitik in Europa, das heißt immer an Flucht, Vertreibung und Migration zu erinnern", forderte der Europaparlamentarier. Als ständige Aufgaben der Ackermann-Gemeinde nannte er zudem Frieden und Versöhnung im Sinne eines dauerhaften Prozesses, "der ernsthaft ist und fortdauert und Aufrichtigkeit voraussetzt". Stationen seit 1989 im zwischenstaatlichen Bereich führte Kastler abschließend an und schloss mit der Bemerkung, dass die in Wien ansässige OSZE aktuell Diskriminierung von Christen in Europa beobachtet.
Mit Songs der Beatles aus den Jahren 1966 bis 1968 sowie Liedern aus den letzten 50 Jahren umrahmte der Chor des Bischöflichen Gymnasiums Pilsen den Nachmittag. Die 1944 im Sudetenland geborene und 1945 im Zuge der Vertreibung von ihrer Mutter getrennte Inge Geyer, die heute als Lehrerin in Neumarkt tätig ist, las einige Kapitel aus ihrem Buch "Ankomme Samstag. Geschichten aus einer ungewöhnlichen Kindheit und Jugend". In dem Werk, das sie vor allem für ihre Kinder und Enkel geschrieben hat, schildert sie die Erinnerungen ihrer Familie, d.h. des Vaters, der Mutter, des Bruders und der Tante, sowie die Folgen der Vertreibung für ihr eigenes Leben in verschiedenen Orten Deutschlands (Schulalltag, Religionszugehörigkeit usw.).
Mit Small Talk und vertiefenden Gesprächen zu den verschiedenen Themen des Tages klang bei Kaffee und Kuchen der Gemeinschaftstag aus, wobei die Diözesanvorsitzende der Passauer Ackermann-Gemeinde Ilse Estermaier ihrem Regensburger Kollegen Fuchs als Dankeschön das neueste Buch von Václav Dvorák überreichte.

Markus Bauer


Dompfarrer Monsignore Emil Soukup (links) und Domkapitular Prälat Johannes Neumüller beim Gottesdienst


Der stellvertretende Vorsitzende des Diözesankomitees Michael Meier bei seinem Grußwort


Der Bundesvorsitzende der Ackermann-Gemeinde MdEP Martin Kastler bei seinem Referat


Der Chor des Bischöflichen Gymnasiums Pilsen umrahmte den Gemeinschaftstag


Die Diözesanvorsitzende der Passauer Ackermann-Gemeinde Ilse Estermaier überreichte ihrem Regensburger Kollegen Fuchs als Dankeschön das neueste Buch von Václav Dvorák



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