Vortrag von Gabriele Kuby "Auflösung der Geschlechtsidentität durch ‚Gender-Mainstreaming'. Plädoyer für eine christliche Antwort" am 10.11.2010

Mit dem Thema "Gender Mainstreaming", einem anspruchsvollen und komplexen, aber ebenso interessanten Thema beschäftigte sich eine Vortragsveranstaltung im gut gefüllten Festsaal des Kolpinghauses Regensburg auf Einladung von Diözesankomitee, Geistlichen Gemeinschaften und KEB im Bistum Regensburg. Als Referentin konnte Michael Meier, stellvertretender Vorsitzender des Diözesankomitees, die Publizistin und Schriftstellerin Gabriele Kuby begrüßen, die über die Hintergründe zu diesem Thema informierte und gleichzeitig eine christliche Antwort auf die Anfragen, die sich aus diesem Thema ergeben, versprach. Zu Beginn ihres Vortrags erklärte die Referentin den Begriff "Gender Mainstreaming". Bei dieser Ideologie werde behauptet, das soziale Geschlecht sei unabhängig vom biologischen Geschlecht, Mann und Frau seien nur eine soziale Konstruktion. Laut dieser Ideologie gehöre es deshalb zum Menschenrecht, das Geschlecht frei wählen zu können. Dabei kenne die sog. "Gender Perspektive" nicht zwei, sondern fünf oder mehr Geschlechter. Zunächst würde es dieser Strömung um die Aufhebung von Benachteiligungen der Frauen gehen. Da es aber gar nicht um die Rechte und die Stellung der Frau in der Gesellschaft gehe, bedürfte es keiner Abschaffung der Geschlechtsidentität. Dabei solle auf allen Ebenen der Gesellschaft "gegendert" werden, damit diese zum "Mainstream", zum nicht hinterfragten Zeitgeist werde. Frau Kuby wies dabei auch auf die Unterscheidung zwischen Gleichstellung und Gleichheit von Mann und Frau hin. In der Gleichstellungspolitik werde behauptet, die Gerechtigkeit erfordere es, die Gleichheit zwischen Männern und Frauen herzustellen. "Dabei wird übersehen, dass erzwungene Gleichheit zwischen Ungleichem Ungerechtigkeit erzeugt", so die Referentin. Die Gender-Perspektive erkenne keinerlei wesenhafte oder angeborene Unterschiede zwischen Mann und Frau an, obwohl jede einzelne Körperzelle männlich oder weiblich sei. Es würden dazu Forschungsergebnisse der Hirnforschung, Psychologie und Soziologie unterdrückt
Zum "Gender Paket" gehöre außerdem die Abtreibung als Menschenrecht, die Bekämpfung der "heterosexuellen Normativität", was eine Privilegierung nicht-heterosexueller Lebensformen bedeuten würde, sowie die Sexualisierung der Jugend durch Sexualkundeunterricht als Pflichtfach.
Die Gender-Ideologie fordere eine 50/50-Quotenregelung von Mann und Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen, ähnlich wie es Friedrich Engels bereits 1846 in seinem Werk "Der Ursprung der Familie, des Privateigentum und des Staates" gefordert habe. Dort werde wie bei der Gender-Ideologie die Abschaffung der Familie sowie die Kindererziehung durch den Staat gefordert.
Politisch werde "Gender Mainstreaming" als eine "Top-down-Revolution" umgesetzt, die bei der UN beginne, über die EU weiterreiche und bis zu den einzelnen Staaten gehe. In der EU-Grundrechtscharta aus dem Jahr 2000 sei nicht mehr von Gleichstellung die Rede, sondern von Gleichheit. Dabei weiche diese Grundrechtscharta von der Europäischen Menschenrechtskonvention ab, bei der z.B. bei der Eheschließung immer von Männern und Frauen die Rede sei. "Nun ist der Weg frei für die gesetzliche Implementierung der Homo-Ehe in den Mitgliedsstaaten."
Diese Kulturrevolution zeige sich auch in staatlichen Institutionen, wie z.B. der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die in Broschüren zu sexuellen Stimulation der Kinder auffordere. Auch in der Sprache sei die Veränderung sichtbar; so habe es im Europarat den Antrag gegeben, den Begriff "Mutter" abzuschaffen, weil er ein "sexistischer Stereotyp" sei. In Bern habe man verlangt, die Begriffe "Vater" und "Mutter" abzuschaffen. Es dürfe nur noch "Elter" heißen, da die Diskriminierung homosexueller Elternteile vermieden werden müsse.
In Zukunft sei geplant, die Gleichbehandlungsrichtlinie der EU zu verschärfen. Dabei solle auch die Beweislast umgekehrt werden: nicht der Diskriminierte, sondern der Beklagte müsse beweisen, dass er nicht diskriminiere. Dies sei aber ein erheblicher Bruch mit der Rechtstradition der Gesellschaft.
Ebenso sei geplant, die vollständige Gleichstellung der Gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft mit der Ehe einzuführen, ohne Rücksicht auf das Wohl der Kinder. Einige Mitgliedsstaaten würden dies nicht umsetzen, weshalb die EU-Kommissarin für Justiz, Viviane Reding, diesen Staaten mit "einer härteren Gangart" gedroht habe.
Weiterhin solle die Gewissensfreiheit für Ärzte und medizinisches Personal bei der Abtreibung aufgehoben werden. Im Europarat sei aber ein diesbezüglicher Antrag vorerst abgelehnt worden. Auch der Kampf gegen den Gottesbezug in der europäischen Verfassung sei Ausdruck dieser Revolution.
Die christliche Antwort auf diesen Angriff auf die Schöpfungsordnung seien zum einen zahlreiche Lehrschreiben der Päpste aber auch verschiedene Laieninitiativen, die sich mutig und engagiert für das Leben, für die Familie und für das christliche Wertefundament einsetzten. Das Problem sei, dem Sexualisierungsdruck der Gesellschaft standzuhalten.
Gabriele Kuby erinnerte schließlich an die Einrichtung des neuen Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung. Wichtig für den Einzelnen sei, in der Glaubenspraxis nach Gottes Willen für das eigene Leben zu fragen und im Gebet "sich der Wirkmacht des Wortes Gottes auszusetzen". Das Thema "Gender Mainstreaming" berühre die Grundfragen der moralischen Existenz des Menschen, zu der die katholische Kirche mehr zu sagen habe als irgendeine andere Institution in der Welt. Außerdem verwies sie auf die "Theologie des Leibes" von Papst Johannes Paul II., der dadurch den herrlichen Liebesplan Gottes für den Menschen aufzeigte. Glaubenspraxis und Erkenntnis würden zum Mut für Bekenntnis führen, "zur Sendung als Schaf unter die Wölfe".


Gabriele Kuby mit Michael Meier (re.), stv. Vorsitzender des Diözesankomitees und Edmund Speiseder, Vorstandsmitlglied des Diözesankomitees


Edmund Speiseder bei der Hinführung zur Thematik


Gabriele Kuby beim Vortrag im gut gefüllten Festsaal des Kolpinghauses Regensburg



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