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Für das Diözeankomitee des Bistums Regensburg nahm das
Vorstandsmitglied Oberstudiendirektor Edmund Speiseder am Expertengespräch,
zu dem der Bayerischen Philologenverband zum Thema: "Islam
verändert die Schule!" einlud, teil.
Eingeladen waren darüber hinaus Vertreter des Kultusministeriums,
des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung,
Domdekan Dr. iur. can. Lorenz Wolf vom Katholischen Büro und
Studiendirektor Bernhard Rößner, der Wissenschaftliche
Referent des Religionspädagogischen Zentrums in Bayern. Mit
dieser Expertenrunde, so der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes
Max Schmidt, wolle man sich auf die Herausforderungen einstellen,
die sich aus Migration, Demographie und kulturellem Wandel nicht
nur für die Schulart Gymnasium ergeben.
Dazu lud er Dr. Helmut Anselm, Pfarrer und Studiendirektor i. R.
ein, der Leiter des Evangelischen Intitiativkreises Bildung und
Erziehung in München ist und über 30 Jahre im Religionsunterricht
am Gymnasium tätig war.
Christlich - muslimische Kontroversen
Für Dr. Helmut Anselm ist die entscheidende Kontroverse nicht
das Thema Kopftuch, die Teilnahme an Klassenfahrten, der Schwimmunterricht
oder die Zwangshochzeit. Diese Differenzen folgen für ihn aus
der vorder-asiatisch-soziokulturellen Prägung der Immigranten.
Für ihn ist es das Gottesbekenntnis, die Religionstheorie und
das Selbstbewusstsein.
Was den Gottesbegriff angeht, so ist für den christlichen Glauben
das Bekenntnis zum Dreieinen Gott, dem Vater, Sohn und Heiligen
Geist" und zu Jesus Christus dem lebendigen Gottes Sohn fundamental.
Der Koran richtet sich jedoch ausdrücklich gegen diesen trinitarischen
Gottesge-danken. In ihm sieht Mohammed "ein ungeheuerlich Ding"
(Sure 19:89) und die einzige unvergebbare Sünde (Sure 4:48).
Zwar sei Allah auf Grund seiner Alleinherrschaft mit dem Gott der
Christen identisch. Aber ein Dialog auf gleicher Ebene und eine
gemeinsame Anbetung sind für Moslems nur dann möglich,
wenn die Christen auf den trinitarischen Gottesgedanken verzichten
(Sure 4:171) Der trinitarische Gottesgedanke lässt auch nicht
zu, vom selben "abrahmitischen Gott" der Christen und
Muslime zu sprechen.
Für die Muslime sind Judentum und Christentum Verfälschungen
des abrahamischen Islams. In diesen seinen Derivaten ist auch Isa/Jesus
Muslim gewesen, und sozusagen auch Martin Luther, sofern sich beide
um den wahren Glauben bemühten. Der wahre "Re-Formator"
aber sei Mohammed gewesen. Das spiegelt sich auch in den Schulbuchtiteln
wieder. "Mein Islambuch" und auf der ersten Doppelseite
ist zu finden "Wir sind Muslime", das den Kindern ein
besonderes Selbstbewusstsein bestärken soll. Der Islam soll
die Kinder mit Stolz erfüllen, einem Glauben und einer Kultur
anzugehören, die in der säkularisierten Welt Halt gibt
und der nichtmuslimischen Bevölkerung moralisch überlegen
ist.
Dr. Anselm frägt dann nach, gilt das auch für den Bereich
der Wirtschaft und der Technik? Diese Frage führt über
die Schulbücher hinaus und weist auf eine nicht zu unterschätzende
Kränkung des muslimischen Selbstverständnisses, nämlich:
dass die muslimische Welt derzeit noch dem Westen in Wirtschaft
und Technik unterlegen sei.
Vor diesem Hintergrund könnte ein eigenes Licht auf die arabischen
Beteiligungen an westlichen High-Tec-Firmen fallen, auf das Projekt
"Masdar City" - der Vision einer emissionsfreien Stadt
in der arabischen Wüste, den Ausbau der Emirate zum Börsenzentrum
und Drehkreuz des Flugverkehrs, sowie auf die dort gebauten oder
geplanten gewaltigen Türme.
Der Islam als eine Bereicherung für die Schule
Dem Theologen Dr. Anselm ist wichtig, festzuhalten, dass eine Kenntnis
der zentralen islamischen Lehren bei uns negative Vorurteile abbauen
könne. So meint er, dass wenn auch manche Ajatollahs finster
schauen würden, der Islam keine finstere Religion sei. Die
Gestaltung und Ausschmückung der islamischen Schulbücher
spiegeln wieder, was bei uns vielleicht verloren ging: die Freude
am eigenen Glauben, die große Ehrfurcht und den tiefen Respekt
vor der Gottheit.
Edmund Speiseder
Lektürehinweis:
"Islam in der Schule"
Dr. Helmut Anselm; Claudius Verlag; München 2007;
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